Die Vulkanwanderung auf den Acatenango war das große Highlight in Guatemala, was wir schon vor Beginn unserer Lateinamerika-Reise in zahlreichen Blogs und Reiseführern gesehen haben. Die Aussicht, dass wir im Schweiße unseres Angesichts stundenlang auf den Vulkan Acatenango wandern würden, nur um seinen Zwilling, den Vulkan Fuego, direkt gegenüber Feuer, Rauch und Lava spucken zu sehen, ist eigentlich besorgniserregend. Und nicht zu vergessen, dabei auf 3600 Meter Höhe auf einem aktiven Vulkan in Guatemala in einem Zelt zu übernachten: Was gibt es wohl krasseres?

Auf unserer Guatemala-Rundreise haben wir uns als ersten Stopp Antigua ausgesucht. Nach einigen Tagen Sightseeing in der wirkliche wunderschönen Altstadt von Antigua war uns klar, dass wir das Abenteuer der Besteigung des Acatenango Vulkans in Guatemala wagen würden. Uns war bewusst, dass die Vulkanwanderung mega anstrengend werden würde und wir wahrscheinlich auch an unsere Grenzen gehen.

Aber die Belohnung, oben auf einem aktiven Vulkan zu zelten und dabei einem anderen höchst aktiven Vulkan beim Feuerspucken zuzusehen, war für uns die Anstrengung auf jeden Fall wert. Wir kämpften uns über sandig-rutschigen Untergrund den steilen Vulkan empor und konnten zu Beginn durch die Wolken und den dichten Nebel den Vulkan Fuego teilweise kaum sehen. Wir quälten uns um 4 Uhr morgens bei peitschendem Wind und Null Sicht auf 4000 Meter hoch und waren wirklich kurz davor aufzugeben.

Trotzdem war die Vulkanwanderung auf den Acatenango eines der Highlights unser bisherigen Reisen und definitiv unser Highlight in Guatemala. Sowas muss man gesehen haben und sowas muss man gemacht haben. Den ganzen Anstrengungen zum Trotz. Warum wir am Ende doch nicht aufgegeben haben und wie die Tour zum Acatenango eigentlich abläuft, lest ihr in diesem Artikel.

Fakten zu den Vulkanen Acatenango und Fuego

Der Acatenango ist ein Schichtvulkan und mit seinen 3976 Metern der dritthöchste Vulkan von ganz Zentralamerika. Der letzte Ausbruch war im Jahre 1972. Ist also schon etwas länger her. Nicht so lange ist der letzte Ausbruch seines Zwillingsvulkans Fuego her. Der fast genauso hohe (3763 Meter) Vulkan Fuego (Feuervulkan) ist nämlich knapp 1 Jahr vor unserer Wanderung das letzte Mal ausgebrochen (am 3. Juni 2018). Dabei starben mehrere hundert Menschen und mehr als 12.000 Menschen mussten evakuiert werden. Es war damit einer der schwersten Ausbrüche der vergangenen 40 Jahre.

Man sieht also, ein Aufstieg auf den benachbarten Vulkan Acatenango birgt ein gewisses Risiko, wenn direkt gegenüber einer der aktivsten Vulkane Guatemalas steht. Nichtsdestotrotz solltet ihr euch dieses Abenteuer nicht entgehen lassen. Habt aber im Kopf, dass die Naturgewalten sich nicht kontrollieren lassen und man natürlich nicht sagen kann, wann der nächste Ausbruch bevor steht.

 

Organisation einer Vulkanwanderung auf den Acatenango

Eine Wanderung zum Acatenango Vulkan könnt ihr perfekt von Antigua oder auch Guatemala City organisieren. Wir haben die Tour von Antigua gestartet. Jede der zahlreichen Travel-Agenturen in der Stadt bietet Touren zum Vulkan an und dies meist zu ähnlichen Preisen. Wir haben uns im Vorfeld ein wenig im Internet schlau gemacht und sind so auf den Anbieter Soy Tours gestoßen. Dieser hat kein Büro in Antigua, sondern ist nur über seine Webseite bzw. WhatsApp zu erreichen.

Das Besondere an Soy Tours ist nicht nur, dass sie ziemlich gute Bewertungen bei Tripadvisor haben und auch generell eine gute Organisation der Tour bieten, sondern, dass sie einen Teil der Einnahmen für das lokale Dorf (z.b. für den Ausbau der Schulen) spenden. Das ist natürlich eine feine Sache und hat uns noch mehr bestärkt diesen Anbieter zu wählen.

Nachdem wir die Handynummer über deren Webseite heraus gefunden haben, schrieben wir den Besitzer per WhatsApp an und buchten die Tour für den folgenden Tag total umkompliziert. Die Kosten sind 35 USD inkl. 5 USD für den Eintritt in den Nationalpark.

Obwohl der Anbieter nicht direkt in Antigua sitzt, wird man mit einem Minibus von seinem Hotel in Antigua abgeholt und fährt mit anderen Teilnehmern zu einem kleinen Dorf (San Jose de Calderas) am Fuße des Vulkans, um sich dort im Büro des Anbieters zu sammeln, sich mit warmen Klamotten einzudecken und die letzten Infos für die anstehende Wanderung auf den Vulkan Acatenango zu erhalten.

Das ist dann auch eine der wichtigsten Informationen, die ihr wissen solltet. Nachts kann es auf dem Vulkan Acatenango empfindlich kalt werden. Bei uns wurde es nachts bis Minus 5 Grad! Aber ihr müsst nicht Eure Wintersachen von Zuhause mitschleppen oder gar vor Ort was kaufen. Bei Soy Tours (wie eigentlich auch bei allen anderen Anbietern) kriegt ihr warme Kleidung gestellt bzw. könnt sie euch für einen kleinen Betrag ausleihen.

Wir haben wirklich warme Winterjacken umsonst gestellt bekommen und konnten uns Handschuhe, einen Schal und eine Mütze für jeweils 10 Quetzales (ca. 1,10 Euro) ausleihen. Zusammen mit dem Pullover, den ich sowieso mit mir herum schleppte, war ich kleidungstechnisch schon mal sehr gut ausgestattet. Außerdem kann man sich vor Ort auch noch hölzerne Wanderstöcke für Q 10 ausleihen, die man bei der steilen Wanderung auf jeden Fall braucht. Wir hatten uns von Zuhause unsere faltbaren Trekking-Stöcke mitgebracht, so dass wir uns keine ausleihen mussten.

Schnelle Fakten zur Wanderung auf den Vulkan Acatenango

  • Die Vulkanwanderung zum Acatenango geht über 2 Tage und es wird oben auf dem Vulkan in Zelten übernachtet.
  • Am ersten Tag werdet ihr gegen 7:30 Uhr von Euren Hotel abgeholt und fahrt zu einem kleinen Dorf am Fuße des Vulkans
  • Gegen 10 Uhr Morgens startet die Vulkanwanderung
  • Der Aufstieg dauert ca. 5 Stunden (inkl. Pausen) und führt Euch von 2500 Höhenmeter bis zum Basis-Camp auf 3600 Meter
  • Pausen werden einige gemacht und die Gruppe spaltet sich automatisch in schnellere und langsamere Wanderer auf
  • Am nächsten Morgen wandert ihr um 4 Uhr ca. 1h zum Sonnenaufgang bis auf die Spitze des Vulkans, und habt dort auf 4000 Meter einen 360 Grad Panoramablick
  • Der Rückweg zurück ins Dorf dauert nochmal ca. 2-3 Stunden.
  • Insgesamt lauft ihr 7.5 Kilometer Strecke und überwindet dabei 1500 Höhenmeter

Wie warm oder kalt ist es während der Wanderung auf den Vulkan Acatenango?

Am Anfang ist es noch sehr warm und ich bin bis zum Basis-Camp in kurzer Hose und T-Shirt gelaufen. Einige andere haben sich bei der Mittagspause (nach ca. 2h) schon eine Jacke angezogen. Da man die ganze Zeit angestrengt wandert, ist es eigentlich die komplette Wanderung über recht warm. Oben angekommen habe aber auch ich lange Klamotten angezogen.

Nachts lässt man natürlich die dicken Klamotten an, ist aber in dem dicken (vom Anbieter gestellten) Schlafsack schon sehr gut aufgehoben.
Die Wanderung zum Sonnenaufgang wird dann aber in voller Montur (Winterjacke, Mütze, Schal, Handschuhe) durchgeführt.

Während des Rückwegs hatten wir auch noch die volle Winterausrüstung an, haben uns aber während des Weges nach und nach der warmen Klamotten entledigt. Ganz unten angekommen war es auch schon wieder so warm, dass wir in kurze Hose und T-Shirt gewechselt sind.

Was müsst bzw. solltet ihr auf die Vulkanwanderung mitbringen?

Auch wenn die meisten Sachen von Euren Guides getragen werden bzw. schon oben vor Ort sind, gibt es einige Sachen, die ihr selbst mitschleppen müsst.

Trinkwasser
Ihr müsst Euer Wasser mit Euch tragen, dass ihr während der 2 Tage trinken wollt. Wir hatten 3 Liter pro Person dabei und das hat uns dicke gereicht.

Snacks
Zusätzlich hatten wir uns eine Menge Snacks dabei. Kekse, Müsliriegel, etwas Kuchen und auch was Salziges zum Knabbern gehörte zu unserem Gepäck. Man kriegt zwar jeweils einmal Mittagessen, Abendessen und Frühstück von den Guides. Aber gerade bei der harten Anstrengung reicht das nicht wirklich, so dass einige Knabbereien auf jeden Fall zu Eurer Ausrüstung gehören sollten.

Klamotten
Habt ihr noch einen warmen Pullover, dann solltet ihr den mitbringen. Auch Outdoor-Klamotten, wie eine Trekking-Hose, eine Regenjacke und gute Wanderschuhe, solltet ihr mitbringen. Turnschuhe oder gar Sandalen sind hier völlig fehl am Platz.
Wir hatten übrigens auch Wechselklamotten (T-Shirt, Unterhose, Socken) dabei, aber haben während der 2 Tage unsere Klamotten gar nicht ausgezogen, geschweige denn gewechselt. Hätten wir uns also auch sparen können.

Hygiene
Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenpapier und etwas zum Händewaschen solltet ihr einpacken. Oben gibt es nur ein muffeliges Plumpsklo natürlich ohne Waschbecken und Toilettenpapier, also solltet ihr euch z.b. Feuchttücher oder Desinfektionssalbe zum Hände reinigen mitnehmen.

Elektronik
Packt eure Kamera ein, denn die Fotos, die ihr vom speienden Vulkan Fuego machen werdet, werden einmalig sein. Auch eine Powerbank hilft Eurem Handy die zwei Tage durchzuhalten.
Eine gute Taschenlampe (oder Stirnlampe) ist sinnvoll für die Wanderung zum Sonnenaufgang. Das Licht eures Handys reicht zur Not aber auch aus.

Rucksack
Wir empfehlen Euch einen richtigen (großen) Rucksack mitzunehmen oder beim Touranbieter zu mieten und keinen kleinen Tagesrucksack (Daypack) für die Wanderung zu benutzen. Bei einem große Rucksack habt ihr meistens einen komfortablen Hüftgurt, so dass das meiste Gewicht nicht auf Euren Schultern lastet, sondern auf Euren Hüften. Das macht das ganz viel einfacher.

Was wird euch vom Touranbieter gestellt?

Oben auf dem Vulkan stehen schon fertig ausgestattete Zelte für Euch parat. Normalerweise ein Zelt für 2 Personen. Zusätzlich gibt es Isomatten und richtig dicke Schlafsäcke im Zelt. Auch das Essen, dass für Euch auf dem Vulkan zubereitet wird, wird von Euren Guides geschleppt. Ihr müsst lediglich das erste Mittagessen, was ihr in einer Pause während der Wanderung auf den Vulkan zu Euch nehmt, selbst tragen.

Müsst ihr auf der Vulkanwanderung alles selbst tragen?

Nein. Wenn ihr nicht so viel Kondition habt oder aus anderen Gründen die Strecke nicht mit Eurem Gepäck oder sogar überhaupt nicht selbst laufen könnt, dann gibt es auch andere Möglichkeiten.

Guides tragen Eure Rucksäcke
Zwei Mädels aus unserer Gruppen wollten/konnten ihre Rucksäcke nicht selbst tragen und haben daher etwas extra gezahlt, damit die Rucksäcke von Guides den Berg hoch getragen werden. Dafür haben sie anscheinend nur 50 Quetzales (5 €) pro Rucksack gezahlt.

Per Pferd auf den Vulkan
Wenn ihr wirklich sehr lauffaul seid, dann könnt ihr auch auf dem Rücken eines Pferdes auf den Vulkan reiten. Pferde stehen dabei ab der Ticketkontrolle etwa 30 Minuten nach Beginn der Wanderung, zur Verfügung und transportieren Euch bis zu einem Punkt etwa 30 Minuten vor den Basiscamps. Ihr müsst dafür knapp 200 Quetzales (20 €) zahlen. Als Tierliebhaber raten wir jedoch hiervon ab. Die steile Wanderung ist auch für die Pferde sehr beschwerlich. Auch werden die Tiere leider oft nicht gut gepflegt und sind in keiner guten Verfassung.

Wie anstrengend ist die Vulkanwanderung wirklich?

Wir haben von einigen Leuten gehört und in vielen Blogs gelesen, dass es für viele die anstrengendste Wanderung in ihrem Leben war. Und auch wir müssen sagen, dass wir es nicht wirklich easy-peasy hoch geschafft haben. Wir hätten zwar nicht wirklich aufgegeben, aber wir waren schon am Rande unserer Leistungsfähigkeit. Gottseidank war es während der Wanderung nicht so super warm. In Kombination mit dem schweren Rucksack, der Höhe und dem wirklich steilen Weg hätte uns das wohl noch den Rest gegeben.

Das wirklich anstrengende an der Wanderung auf den Vulkan Acatenango ist die Höhe in der man sich bewegt und die vielen Höhenmeter, die man in kürzester Zeit hinter sich bringt. Gottseidank konnten wir ca. alle 20 Minuten Pause machen. Unabhängig davon, dass man auch zwischendurch, wenn man nicht mehr konnte, kurz stehenbleiben und sich ausruhen konnte. Da die Gruppe sich mit 4 Guides sowieso nach kürzester Zeit in schnelle und langsame Wanderer (wir waren natürlich in der langsamen Gruppe) aufgeteilt hat, mussten die schnellen auch nicht immer auf die langsamen warten.

Nur bei den größeren Pausen wurde wieder auf uns Langsamere gewartet und die Gruppe wurde wieder vereint. Wir finden die Wanderung auf den Acatenango Vulkan ist für jeden halbwegs sportlichen Menschen machbar.

Unsere Erfahrungen der Wanderung auf den Vulkan Acatenango

Nachdem wir von unserem Hotel Antigiueno in Antigua abgeholt wurden, stieg kontinuierlich die Anspannung in uns und auch bei unseren Mitreisenden. Das kann man förmlich spüren. Alle sind aufgeregt und fragen sich, was da denn wohl auf uns zukommen würde. Die etwa eine Stunde Fahrtzeit bis zum Fuße des Vulkans vergeht sehr schnell. Nachdem wir uns im Büro des Touranbieters mit warmen Klamotten eingedeckt und unsere Mittagessen für den Tag eingepackt haben, bekommen wir eine kleine Einführung darüber, was alles auf uns warten würde. Nachdem wir noch ein paar Minuten zum Start des Wanderweges mit dem Minibus fahren, geht es endlich los.

Auf etwa 2500 Metern über Meereshöhe beginnen wir den Hike und sind zuerst noch sehr fröhlich gestimmt und frohen Mutes, was denn da alles auf uns zukommen würde. Aber das ändert sich schon nach wenigen Minuten. Der erste Teil des Weges, der an grünen Feldern und Wiesen vorbei führt, ist von Anfang an super steil und so sandig, dass man fast für jeden Schritt, den man nach oben geht, zwei wieder runter rutscht.

Nach ca. einer Stunde des steilen Aufstieges auf den Acatenango Vulkan führt der Weg nunmehr durch dichten, herrlich nach Tannen duftenden, Nadelwald. Die Landschaft ist immer noch wunderschön, der Weg immer noch unglaublich steil. Wir sind alle sehr froh, als wir nach 2 Stunden unsere Mittagspause machen und unsere mitgebrachten Lunchpakete verspeisen. Es gibt Hühnchen mit Salat und Reis. Geschmacklich okay. Die vielen Hunde, die uns seit einiger Zeit folgen, sind da weniger wählerisch. Sie freuen sich über alles was man ihnen hin schmeißt. Egal ob was zu essen oder auch Wasser.

Es ist mittlerweile etwas frischer geworden. Die anderen haben sich schon Pullover oder Outdoor-Jacken angezogen, ich (Andreas) saß immer noch oben ohne da, mir war immer noch verdammt warm von der Anstrengung. Als wir wieder loslaufen, ziehe aber auch ich mir mein T-Shirt wieder an. Man merkt, dass die Temperatur kontinuierlich sinkt, je höher wir klettern.

Nach der Mittagspause geht es weiterhin sehr steil bergauf. Die schöne Umgebung und die lustigen Gesprächen mit den anderen Wanderern (am Schluss der Gruppe) entschädigen aber zum Teil für die Strapazen. Nach etwa 3.5 Stunden geht es nicht mehr kontinuierlich bergauf. Es gibt wieder gerade Passagen und wir sind mittlerweile so hoch, dass wir den tollen Ausblick auf die weitere Umgebung und auch auf den Vulkan Agua (in der Nähe von Antigua) erhaschen können.

Sabrina und ich sind schon seit einiger Zeit extrem kaputt und können es gar nicht erwarten oben am Basislager anzukommen. Der Rucksack zieht so langsam immer stärker an den Schultern und es ist von Schritt zu Schritt immer anstrengender die Füße mit den schweren Wanderschuhen aus dem rutschigen Sand zu ziehen, um einen Schritt nach vorne zu gehen.
Jede noch so kleine Pause wird genüßlich zelebriert. Auch wenn es nur 5 Minuten ohne den Rucksack auf den Schultern sind und das Körpergewicht auf den Füßen tragen zu müssen. Hinsetzen? Ja klar, gerne und häufig!

Einzig die einsetzende Bewölkung scheint etwas Abhilfe zu schaffen. Es ist mittlerweile viel kühler als noch zu Beginn der Wanderung. Ich schwitze kaum noch, aber nicht weil es weniger anstrengend wäre. Sondern nur weil es frischer wird.

Nach 5 Stunden, Sabrina läuft schon längere Zeit voraus, ist das Zeltlager in Sicht. Sabrina ist vor mir oben. Sie ruft mir zu und versucht mich für die letzten Meter zu motivieren. Ich genehmige mir trotzdem noch eine kleine Pause. Man weiß ja nie.
Nachdem ich die letzte Steigung erklommen und das Basislager erreicht habe, lasse ich mich wie einen nassen Sack auf die Erde plumpsen. Geschafft! Von der Umgebung sieht man leider nichts. Alles ist in eine dicke neblige Suppe gehüllt. Die Sichtweite beträgt vielleicht 20 Meter. Ich versuche mir vorzustellen, wo wohl der Vulkan Fuego genau ist und wie es wohl aussähe, wenn er jetzt und hier Feuer spucken würde.

Fürs erste heißt es aber erstmal Zelte beziehen, warme Klamotten anziehen und ausruhen. Abendessen soll es erst in einigen Stunden geben. Gottseidank ist der Himmel mittlerweile etwas aufgeklart und wir bekommen einen super Anblick auf den eigentlichen Grund der Anstrengungen der letzten Stunde: Den nur einige Kilometer Luftlinie entfernten und ungefähr auf gleicher Höhe befindlichen Vulkan Fuego.

Das Zeltlager besteht aus einem Hauptzelt mit Feuerstelle in dem das Essen zubereitet und auch gegessen wird und ca. 10 Zweimann-Zelten, die alle in einer Linie links und rechts um das Hauptzelt angeordnet sind. Rings um uns erspähen wir noch andere Zeltlager von anderen Touranbietern. Dies bedingt, dass die Bäume im ganzen Bereich um uns herum gefällt wurden. Gut für die Sicht, schlecht für die Umwelt.
Etwa hundert Meter von unserem Camp entfernt steht die Toilette, wobei das eigentlich noch zu schön ausgedrückt ist. Es ist ein Plumpsklo, ein Loch im Boden mit ein paar Holzbrettern drum herum. Es stinkt bestialisch. Hinsetzen möchte man sich lieber nicht. Alles etwas eklig. Aber man ist ja auch in der Natur.

Endlich können wir den fast schon regelmäßig stattfindenden Ausbrüchen, die wie dumpfe Kanonenschläge klingen, auch etwas optisches zuordnen. Fast im Viertelstundentakt bricht der Vulkan aus und meistens wird nur eine große, dunkelgraue Geröllwolke ausgestoßen. Manchmal wird aber auch rot glühende Lava im hohen Bogen ausgestoßen. Das ist immer der Höhepunkt für die Gruppe. Ein lautes Aaahhh ist dann von fast allen zu vernehmen.

Es ist aber sehr leicht den Anfang des Ausbruchs zu verpassen, wenn man nicht die ganze Zeit hinguckt. Da der Schall bekanntlich langsamer ist als das Licht, hat man die Hälfte schon verpasst, wenn man erst beim lauten Knall beginnt zum Vulkan zu blicken.

Während sich ein kleiner Teil unserer Gruppe für einen Zusatzbeitrag von knapp 15 € pro Person auf eine weitere, über 3-stündige Wanderung zum Fuße des Vulkans Fuego aufmacht, warten wir sehnsüchtigst auf das Abendessen. Nie im Traum würde uns einfallen nach den ganzen Strapazen noch weiter zu laufen, nur um vielleicht einen etwas besseren Blick auf den Vulkan erhaschen zu können.

Das Abendessen ist einigermaßen schmackhaft und vor allem warm und zum Nachtisch gibt es noch einen heißen Kakao. Echt super lecker, wenn sich die Außentemperaturen dem Nullpunkt annähern. Als es schon dunkel wird sehen wir am Fuße des Vulkans Fuego die Taschenlampen der Leute die noch die Zusatz-Wanderung zum Fuego angetreten haben. Ein krasser Anblick: Oben spuckt der Vulkan Fuego lautstark Feuer und einige hundert Meter weiter unten zuckeln die Taschenlampen von Leuten aus unserer Gruppe auf dem Weg zurück ins Basislager. Hat etwas von einem schlechten Katastrophenfilm!

Nachdem wir noch einige Zeit dem Vulkan beim Spucken der Lava zusehen und die sich ins dunkle tauchende Landschaft bestaunen, beschließen wir ins Bett bzw. Zelt zu gehen. Am nächsten Morgen hatten wir ja noch was großes vor. Der Wecker würde um 03:30 Uhr schon wieder klingeln!

Die Wanderung zum Sonnenaufgang

Nach einem kurzen, aber doch ganz erholsamen, Schlaf wurden wir tatsächlich um halb 4 von den Guides geweckt. Wow, das war eine kurze Nacht. Aber gar nicht mal so kalt wie erwartet. Die Schlafsäcke haben überraschend warm gehalten.

Nachdem sich alle versammelt haben, geht es schon los. Direkt über dem Camp beginnt der Trampelpfad zum Gipfel des Vulkans Acatenango. Zu Beginn ist es noch bitter kalt, aber das ändert sich recht schnell mit der beginnenden Anstrengung. Die Luft wird mit jedem Meter immer dünner und die Wanderung immer kräftezehrender. Zudem peitscht uns noch ein unfassbar starker Wind ins Gesicht und es scheint fast so, als wollte der Vulkan uns nicht auf seinem Gipfel haben.

 

Wir machen mehrere Pausen und lassen unterwegs zwei Leute zurück, die aufgrund von Knie- bzw. Kreislaufproblemen nicht weiter können. Sie werden von einem unserer Guides zurück zum Camp begleitet.

Die Sicht ist weiterhin gleich Null. Alles voller Nebel, Wolken und herum wirbelndem Staub. Unsere Taschenlampen erhellen gerade mal einen kleinen Teil des Weges und unseren jeweiligen Vordermann. Wenn man sich etwas zurückfallen lässt, kann man aber auch den schon fast nicht mehr erkennen. Wir kämpfen uns mit aller Kraft den Berg hoch.

Als wir nach über einer Stunde fast oben angekommen sind, setzt langsam die Morgendämmerung ein. Die ersten Sonnenstrahlen blitzen über die umliegenden Berge. Es ist zwar immer noch sehr diesig und sehr stürmisch, aber das Erfolgsgefühl bringt trotzdem ein Lächeln auf unsere Gesichter. Wir haben es geschafft. 4000 Meter hoch sind wir. Auf einem Vulkan. Zum Sonnenaufgang. Oh mein Gott!

Wir können es kaum glauben und sind überglücklich. Und von einer Sekunde auf die andere verziehen sich die Wolken und es glüht feuerrot. Diesmal aber nicht auf dem Vulkan Fuego, sondern am Horizont. Der Sonnenaufgang ist in seiner ganzen Pracht zu bestaunen. Wir machen schnell ein paar Fotos, denn so schnell wie sich die Sonne zeigt verschwindet sie auch wieder. Das Spielchen wiederholt sich noch einige Male. Wenn der Wind zu stark und zu kalt wird, laufen wir schnell einige Meter den Berg wieder hinab in eine kleine Senke. Dort ist es fast windstill. Wir können uns kurz erholen uns unsere eiskalten Gliedmaßen kurz aufwärmen.

Nach ca. einer halben Stunde machen wir uns wieder an den Abstieg, der viel schneller geht als der Aufstieg. Erstens ist es nicht mehr so kalt und dunkel. Außerdem sind die sandigen, rutschigen Stellen, die uns beim Aufstieg noch so kämpfen ließen, nun eine Möglichkeit den Berg auf sehr lustige, aber wenig elegante Art und Weise runter zu rutschen.
Am Ende haben wir zwar die Schuhe voller Sand, aber auch eine Menge Spaß.

Unten angekommen bricht dann wieder der Vulkan Fuego mehrere Male aus, bevor es endlich Frühstück gibt. Das offene Lagerfeuer im Hauptzelt beschert uns währenddessen warme Hände, aber auch nach Rauch stinkende Klamotten.

Kurz nach dem Essen müssen wir unsere Sachen zusammen packen, schiessen noch ein paar letzte Fotos und machen uns an den Abstieg. Die Guides scheuchen uns regelrecht. VAMOS, VAMOS! Die nächste Gruppe wartet unten schon.

Der Rückweg

Ich dachte eigentlich, dass der Abstieg um einiges schneller geht als der Aufstieg. Aber Pustekuchen! Dafür haben wir auch geschlagene 3 Stunden gebraucht. Der Weg ist natürlich auch bergab so steil, dass es ziemlich anstrengend ist runter zu laufen. Man muss sich mit jedem Schritt abstützen.
Das geht ziemlich in die Waden und natürlich auch in die Knie. Wir müssen wieder zahlreiche Pausen machen und kommen, mal wieder, so ziemlich an unsere Grenzen.

Kurz bevor wir unten ankommen, kommen uns auch schon die ersten Wanderer für den neuen Tag entgegen und quälen sich den Berg hoch. Wir sind echt froh nicht an deren Stelle zu sein. Gegen 10:30 Uhr kommen wir unten an der Straße an und sind einfach nur erleichtert und kaputt und glücklich. Alles gleichzeitig!

Unser Fazit

Für uns war die Vulkanwanderung auf den Acatenango das Highlight unserer Guatemala Reise, wenn nicht sogar unserer kompletten Reise durch Süd- und Zentralamerika. Es war unfassbar anstrengend und wahrscheinlich auch eine der anstrengendsten Wanderungen, die wir je unternommen haben. Gleichzeitig war es so geil dort oben über den Wolken zu stehen und dem Vulkan Fuego, der sich nur 2 Kilometer Luftlinie von uns entfernt befindet, beim Ausbrechen und Spucken von Asche und rot glühender Lava zuzusehen.
Wer auch nur einigermaßen fit ist, kann diese Wanderung schaffen und sollte sich auch in dieses Abenteuer stürzen.

 

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